PINK FLOYD                               

A Saucerful of Secrets

More

More


Als Pink Floyd Anfang 1969 das Angebot erhielten, den Soundtrack für
einen Film zu komponieren, ließen sie sich selbstredend nicht zweimal
bitten. (Sie hatten bereits zu The Committee von Peter Sykes mit Paul
Jones aus Manfred Manns Truppe die Musik beigesteuert, darunter eine
frühe Version von „Careful With That Axe, Eugene". „Wir hätten fast
alles getan, um an einem Film mitzuarbeiten", erinnerte sich David
Gilmour später. „Wir wollten unbedingt da rein." So kamen sie zu dem
französischsprachigen Low-Budget-Melodram der Jugendkultur More
unter der Regie von Barbet Schroeder, eines ehemaligen Mitarbeiters
von Jean-Luc Godard - ein Film, an den man sich heutzutage nur noch
in Verbindung mit dem dritten Pink-Floyd-Album erinnert.
Syd Barrett
 

Abgesehen von Frankreich, wo More einen Ruf wie Easy Rider in der englischsprachigen Welt genießt - und
so mithalf, die außergewöhnliche Popularität von Pink Floyd auf einem Markt zu begründen, der bis dato
angloamerikanischen Rockgruppen buchstäblich verschlossen war. Schroeder wiederum hatte in den USA
bei Kritikern und Publikum Erfolge mit Filmen wie Reversal of Furtune - Die Affäre der Sunny von B. (1990).
Angesichts ihrer langjährigen Multimedia-Erfahrungen und des filmischen Feelings ihrer Musik schienen
Pink Floyd für diese Art Arbeit perfekt geschaffen - die, wie Rick Wright anmerkte, weitaus lukrativer und
angenehmer zu werden versprach als das ständige Herumtouren in England: „Filme scheinen im Moment die
Lösung für uns zu sein. Es wäre schön, einen Sciencefictionstreifen zu machen - unsere Musik scheint in
diese Richtung zu gehen."

 

     
Roger Waters, der heute auf jede SF-Anspielung
allergisch reagiert, ging sogar so weit zu sagen, er
würde „am meisten bedauern", dass sie nicht die Musik
zu 2001: Odyssee im Weltraum gemacht hatten - die
vor allem in der langen, überwältigend halluzinatorischen
Sequenz am Ende nichtsdestotrotz bemerkenswert
floydianisch klingt (ein weiteres Beispiel für die Affinität
der Gruppe zu „seriösen" elektronischen Komponisten
wie György Ligeti, denen Regisseur Stanley Kubrick den
Vorzug gab).

Den Bewunderern der Band bleibt nur zu bedauern, dass
die Filme, zu denen Pink Floyd ihre charakteristische
Magie beisteuerten, es schwerlich mit Kubricks Klassiker
aufnehmen konnten.

Soundtrack   Film - DVD    
 
Gilmour beschreibt die Erfahrung von Pink Floyd mit More und seinen Nachfolgern als „Auftragsarbeiten.
Man fängt im Studio bei null an und arbeitet, bis etwas herauskommt. Man spielt es und fragt: ,Wie wäre
es damit?' Dann feilt man eine Weile daran herum. Es ist ein anderer Prozess als bei der Arbeit an der
eigenen Musik - alles ist viel hektischer, weniger sorgfältig." Doch da EMI das Album als Spezialprojekt
betrachtete, brachte More der Band größere künstlerische Freiheit und höhere Tantiemen ein als seine
Vorgänger. Es war die erste große Gelegenheit für Pink Floyd zu beweisen, dass sie ihre eigenen Platten
produzieren konnten, ohne die Zwänge, die ihnen Norman Smith in der Abbey Road auferlegte.


Ein Film, an den man sich heutzutage nur noch
in Verbindung mit dem dritten Pink-Floyd-Album erinnert...



Seltsamerweise ist auf dem More-Soundtrack der Anteil an richtigen
Songs im Vergleich zu den instrumentalen Stimmungsmalereien
wesentlich größer als auf zahlreichen regulären Floyd-Alben. Die
meisten sind leichtgewichtige, eingängige akustische Balladen von
Roger Waters - auch wenn der Gesang, seit Syd Barretts Ausscheiden
keine starke Seite von Pink Floyd, auf Tracks wie „Green Is The Colour"
fast kläglich klingt. (Die Band befand dennoch dieses Liedchen und
Cymbaline" für gut genug, um sie für die nächsten zwei Jahre in ihr
Konzertprogramm aufzunehmen.)

      More

    01. Cirrus Minor (Waters) - 5:18 min
    02. The Nile Song (Waters/Gilmour) - 3:26 min
    03. Crying Song (Waters/Gilmour) - 3:33 min
    04. Up The Khyber (Mason/Wright) - 2:12 min
    05. Green Is The Colour (Waters/Gilmour) - 2:58 min
    06. Cymbaline (Waters/Gilmour) - 4:50 min
    07. Party Sequence (Gilmour/Waters/Wright/Mason) - 1:07 min
    08. Main Theme (Gilmour/Waters/Wright/Mason) - 5:28 min
    09. Ibiza bar (Gilmour/Waters/Wright/Mason) - 3:19 min
    10. More Blues (Gilmour/Waters/Wright/Mason) - 2:12 min
    11. Quicksilver (Gilmour/Waters/Wright/Mason - 7:13 min
    12. A Spanish Piece(Gilmour/Waters/Wright/Mason - 1:05 min
    13. Dramatic Theme(Gilmour/Waters/Wright/Mason - 2:15 min

   Gesamtspielzeit: 43:36 min

   Roger Waters komponierte noch das Lied
   Seabirds, welches zwar im Film vorkommt,
   es aber nicht auf den Soundtrack schaffte.

Die Instrumentals jedoch halfen, Pink Floyds „einzigartige InstantKosmo-Astral-Soundtrack-Berieselungs-
musik" (so die denkwürdige Formulierung des New Musical Express) zu definieren. Die kreative Kraft dabei
war laut einem Floyd-Mitarbeiter „Gilmour, der bis zum Stehkragen voll mit Dope diese Traumsequenzen
schrieb". Wer Pink Floyd ohnehin für die Band hielt, „die Asteroiden zum Frühstück aß", den konnte es nicht
überraschen, dass More ein Film über Drogenfreaks auf der malerischen, von Hippies bevölkerten Paradies-
insel Ibiza war, deren Langhaarigenkolonie Syd und Rick bei ihrem Besuch im Jahr 1967 einen begeisterten
Empfang bereitet hatte.

Nur dass sich die Droge in More als Heroin entpuppt und die Botschaft nicht so idyllisch ist. „Er sagt die
Wahrheit über Drogen; ich bin sicher, wir hätten nicht mitgemacht, wenn er etwas Falsches gesagt hätte",
wies Wright den aufmüpfigen Interviewer eines Collegesenders zurecht - mit dem er nichtsdestotrotz einen
Joint rauchte...

Downloads



  Wallpaper
  Booklet (PDF)

Quellen


Pink Floyd: Vom Underground zur Rock-Ikone Nicholas Schaffner / ISBN:3854452489